{"id":181,"date":"2012-06-09T05:39:49","date_gmt":"2012-06-09T02:39:49","guid":{"rendered":"http:\/\/saritfuchs.co.il\/?p=181"},"modified":"2012-07-01T05:48:17","modified_gmt":"2012-07-01T02:48:17","slug":"der-wiesenthal-der-hoden-uber-post-trauma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/saritfuchs.co.il\/?p=181","title":{"rendered":"Der Wiesenthal der Hoden:  \u00dcber &quot;Post-Trauma&quot;"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p style=\"direction: ltr; text-align: left;\">Ein Israeli bumst eine Deutsche von hinten im Namen des j\u00fcdischen Volks. Treblinka und Sobibor verwandeln sich in ein Musical. Israelische Touristen pinkeln an den Reichstag und ein deutscher Polizist erlaubt ihnen, l\u00e4chelnd damit fortzufahren. &quot;Post-Trauma&quot;, eine Kooperation zwischen dem Habima Theater und einem deutschen Theater aus D\u00fcsseldorf, ist keine weitere Veranstaltung &quot;dritter Generation&quot;, sondern eine gut pr\u00e4sentierte Provokation.<\/p>\n<\/blockquote>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\">KULTUR<\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\">Von Sarit Fuchs, 8.1.2011, 11:34 Uhr, NRG Maariv<\/div>\n<p style=\"direction: ltr; text-align: left;\">Ich habe, und dies l\u00e4sst sich nicht leugnen, sehr gelacht. Ein schwarzes, wahnsinniges Lachen \u2013 kurz vor einer Hospitalisierung in der geschlossenen Abteilung. Die israelisch-deutsche Veranstaltung &quot;Post-Trauma&quot;, eine Kooperation zwischen dem Habima Nationaltheater und dem D\u00fcsseldorfer Schaupielhaus, hat bei mir gewaltig auf die Dr\u00fcsen zur &quot;Sch\u00e4ndung des Heiligen&quot; gedr\u00fcckt. Und das Heilige ist die Schoah. Doch am n\u00e4chsten Morgen regte sich etwas Unbehagliches in mir in Bezug auf dieses Lachen. So als r\u00fchre die Ketzerei bereits an Verleugnung. Gut, nicht Verleugnung. Vergessen. Schabt an den R\u00e4ndern des Vergessens. Nicht heute, aber vielleicht demn\u00e4chst.<\/p>\n<p style=\"direction: ltr; text-align: left;\">Eine Gruppe von Theaterautoren, vier Israelis und zwei Deutsche (unter der Regie von Dedi Baron), wurde gebeten, kurze Theaterst\u00fccke \u00fcber den Umgang mit dem Gedenken an die Schoah in beiden V\u00f6lkern zu schreiben. Nicht \u00fcber die Schoah, sondern \u00fcber die Erinnerung, die in ihren K\u00f6rperzellen eingepr\u00e4gt ist. &quot;Wir bekommen die Schoah direkt in unsere Venen eingespritzt. Wie eine Impfung, die eine Narbe auf dem Arm hinterl\u00e4sst. Nur, dass es bei uns die Seele ist&quot;, sagt ein Israeli seiner deutschen Geliebten. Es stellt sich heraus, dass er, als er sie kennenlernte und bevor er sich in sie verliebte, davon fantasiert hatte, einen weiblichen Nazi zu ficken. Sie sagt ihm, dass er der j\u00fcdische Held h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, &quot;der weibliche Nazis fickt&#8230;, der Wiesenthal der Hoden.&quot; Er erz\u00e4hlt ihr, dass er, wenn er mit ihr zusammen ist, das Gef\u00fchl habe, das gesamte j\u00fcdische Volk in Israel und in der Diaspora stehe hinter ihm und diskutiere dar\u00fcber, ob er ihn hineinschieben soll oder nicht. Und so geht es weiter: alles, was nicht gesagt werden darf, begleitet von dem wiehernden Gel\u00e4chter Traumatisierter, die auf dem Weg der Genesung sind (welch eine Illusion).<\/p>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"width: 475px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.nrg.co.il\/images\/archive\/465x349\/1\/298\/984.jpg\" alt=\"\" width=\"465\" height=\"310\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Alles, was nicht gesagt werden darf. &quot;Post-Trauma&quot;. Foto: Gerard Alon<\/p><\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\">Der Titel des St\u00fcckes: &quot;Korrektur&quot;. Der Regisseur: Yariv Gottlieb. Ich habe keine Ahnung, ob die Theaterautoren darum gebeten wurden, wilde Kom\u00f6dien zu schreiben, doch die meisten von ihnen taten dies auf ganz nat\u00fcrliche Weise. Nur zwei von ihnen (ein Deutscher und eine Israelin) schrieben einen lyrischen Text, der sich nicht wirklich in den Gesamtcharakter der Veranstaltung einf\u00fcgt und eigentlich verschluckt wird. Bei den \u00fcbrigen St\u00fccken handelt es sich um geistreiche Ping-Pong-Kom\u00f6dien, zumeist begleitet von schauderhaften Witzen \u00fcber die Schoah, die erbleichen lassen. &quot;Wie soll man sich befreien und zugleich an die nachfolgenden Generationen weitergeben?&quot;, fragt einer der Israelis in einem der St\u00fccke, und dies ist \u2013 unter den Schichten des Entertainments, des Kabaretts und der Clownerie \u2013 die innere Stimme dieser Produktion. Die Figuren versuchen, in der Begegnung zwischen der israelischen und der deutschen Seite eine intime und pers\u00f6nliche Erfahrung zu erleben, doch es ist unm\u00f6glich, sich von dem nationalen, historischen Ereignis freizumachen. Denn was ist &quot;Post-Trauma&quot;, wenn nicht ein Theater der D\u00e4monenaustreibung, eine rituelle Reinigungszeremonie. Diese Reinigung ist so schmerzhaft wie ein Einlauf und daher ist es n\u00f6tig, bei der zu einem Viertel pornographischen Demonstration eines Geschlechtsaktes zwischen einer deutschen Angeklagten und einem j\u00fcdischen Ankl\u00e4ger zuzusehen. Daniel aus dem ersten St\u00fcck (&quot;Korrektur&quot;) bumst die deutsche Anna auf ihren Wunsch hin von hinten auf einem Stuhl. Dies ist nur ein Spiel und sie sollte gepeinigt und gedem\u00fctigt aussehen und um Verzeihung bitten. &quot;So dem\u00fctige mich also, lasst uns nett sein zu dem j\u00fcdischen Volk.&quot;<\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\">\n<p>Wir wissen nicht, ob die Kopulierenden geheilt werden, und schon geht es \u00fcber zu dem Duett &quot;Deine Arbeit ist nicht meine Arbeit&quot; (Noa Lazar), das von einem Juden und einer Deutschen gesungen wird. Er wolle eine intime Sprache finden, sagt der Mann zu ihrer Beziehung, doch zwischen ihnen st\u00fcnden \u2013 und hier tragen sie in lieblichem Gesang die Namen vor: \u2013 &quot;Treblinka, Sobibor, Dachau, Aktion, Mengele&quot; und derer mehr. Die Kluft zwischen dem Text und dem Vortragsstil ist haarstr\u00e4ubend \u2013 und unterhaltend, Verzeihung. Die Vorstellung findet auf einer B\u00fchne statt, auf der viele St\u00fchle verschiedener Art in unterschiedlicher Weise aufgestellt sind (eine poetische Metapher f\u00fcr die unterschiedlichen Menschentypen? F\u00fcr die Abwesenheit von sechs Millionen Juden? Es k\u00f6nnte nahezu alles sein.) Die Beleuchtung, die Bewegung und die Kost\u00fcme tun ein \u00dcbriges. Wir f\u00fchlen uns wie in einem Zirkus oder in einem Kabarett: ein rhythmischer Tanz, ein ma\u00dfgeschneidertes Jacket mit schwarz-wei\u00dfen Streifen und einem gelben Bl\u00fcmchen, ein orientalisches Scheherazaden-Gewand, ein beleibter, nackter K\u00f6rperteil.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\">\n<p>Pl\u00f6tzlich die surrealistische Szene eines Gruppentanzes wie aus einem Hollywood-Musical. Pl\u00f6tzlich eine Standup-Comedy. Und eigentlich ist all dies eine clowneske Veranstaltung, ein Gruppen-Klamauk, der orthodoxen Juden nur zu Purim erlaubt ist. Selbst die Kirche des Mittelalters gestattete zirkusartige Veranstaltungen, Unterhaltungen die auf geheiligte Mythen abzielten, weil sie wusste, dass gelegentliches &quot;Dampf-Ablassen&quot; die Erhaltung des geheiligten Mythos erm\u00f6glicht. Und so geschieht es, dass das Nationale Theater (mit Unterst\u00fctzung des Goethe-Instituts) uns einen Kreis von Sp\u00f6ttern serviert, der zu vulg\u00e4rer Sprache und wilder Phantasie verpflichtet. Der Schauplatz der Ketzerei verlagert sich von den alternativen Zeremonien des Holocaustgedenktages der letzten Jahre auf die zentrale B\u00fchne, und der Himmel st\u00fcrzt nicht ein.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\">\n<p>Ein deutsches Paar kommt nach Israel, weil die Schwester der Frau im Begriff ist, einen Israeli zu heiraten (ein brillianter Text von Thomas Melle). In einer Szene im Speisesaal des Hotels, bei der man vor Lachen fast erstickt, streitet sich das Paar. Wor\u00fcber? \u00dcber das fehlende Interesse des Ehemannes an Jazz, der Musik, die am selben Abend auf einem Konzert gespielt werden soll. Und ein belangloses Wortgefecht wird zu einem Paranoia-Anfall des Ehemannes (Tomer Sharon in einer virtuosen Darbietung).<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\">\n<p>Er beschuldigt seine Frau, dass wegen ihres Geschreis nun alle w\u00fcssten, dass er Jazz hasse und man ihn jeden Moment beschuldigen w\u00fcrde, dass er ein Nazi sei, der s\u00e4mtliche Jazzfreunde in die Gaskammern schicken wolle. Der Anfall steigert sich und nimmt die nicht logische Wendung einer Psychose an, die in der Mitteilung des Deutschen gipfelt, dass er f\u00fcr Rassismus ohnehin ein ultimativer Beschuldigter sei. Sprachliche Brillianz, furioses Tempo und ausgezeichnete schauspielerische Performance veranschaulichen das Dilemma der deutschen Seite und machen Lust, ein langes Theaterst\u00fcck bei Melle zu bestellen.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\"><strong>Die verbesserte j\u00fcdische L\u00f6sung<\/strong><\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\">Und weiter geht es auf der B\u00fchne mit einem machoistischen Israeli, der auf einer Stra\u00dfe in Deutschland \u00fcber einen Deutschen herf\u00e4llt, weil er meint, dass dieser mit seiner Frau anb\u00e4ndelt und wom\u00f6glich imstande ist, sie fertigzumachen. Der ramponierte Deutsche l\u00e4sst die Schl\u00e4ge wehrlos \u00fcber sich ergehen \u2013 er ist nahezu wie ein Opferlamm. Ebenso wie der h\u00f6fliche deutsche Polizist, der im letzten St\u00fcck der Veranstaltung auftritt und es zul\u00e4sst, dass die Israelis \u00fcber ihn herfallen und dies, obwohl einer von ihnen l\u00e4chelnd an den Reichstag gepinkelt hat und dabei von einer Kamera erwischt wurde. Die deutsche Nettigkeit wird in dem St\u00fcck, nach dessen Titel &quot;Posttrauma&quot; (Tal Schiff) die Veranstaltung benannt wurde, von einem der Clowns erkl\u00e4rt, die an der Bar sitzen und \u00fcberlegen: &quot;Seine Passivit\u00e4t resultierte aus der Verkehrung der Rollen infolge verdr\u00e4ngten Regressionsverhaltens&quot;, und der zweite Clown sagt: &quot;Klassischer Fall von dritter Generation&quot;. Ja: die Veranstaltung lacht auch \u00fcber sich selbst.<\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\">\nDas kurze St\u00fcck, das den Abend beendet (das ausgezeichnete &quot;Ged\u00e4chtnisspiel&quot; von Noa Lazar), versammelt eine Gruppe von Schauspielern auf der B\u00fchne, die sich in Deutschland auf einen Gedenkabend vorbereiten, der in Gegenwart des Kanzlers stattfinden soll. Sie sind unzufrieden mit dem Stoff, den sie von zuhause mitgebracht haben und der Regisseur bem\u00fcht sich, neues Material aus ihnen herauszuholen. Sie brechen in eine Improvisation aus, in der ein Jude und eine Deutsche sich 65 Jahre lang gemeinsam mit derselben Last abrackern und auf dem R\u00fccken eine riesengro\u00dfe Tasche mit Henkeln tragen, die sie dem Vertreter eines jeden Volkes auf die Schulter b\u00fcrden. Dies f\u00fchrt zu k\u00f6rperlichen Verwicklungen. Sie probieren weitere Sachen aus dem Arsenal unserer aller kollektiven Erinnerungen (zum Beispiel ein guter Deutscher, der im Holocaust eine J\u00fcdin rettet, eine am\u00fcsante Kitsch-Improvisation).<\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\">Mittendrin betritt der von mir bereits erw\u00e4hnte deutsche Polizist mit den einf\u00fchlsamen Manieren die Szene und setzt sich f\u00fcr die kleine Schar ein, bis zu dem Ausbruch einer der Schauspielerinnen, die erwischt wird, weil sie unter Drogen steht und von dem Regisseur daf\u00fcr ausgeschimpft wird, dass sie bekifft und emotional unbeteiligt ist. Sie bricht in einen Monolog aus, der zu der neurotischen Beziehung zwischen uns und Deutschland und der Schoah nahezu alles sagt, und das Publikum wiehert vor Lachen. Zum Beispiel: &quot;Stimmt, ich bin eine Leugnerin der Schoah. Okay? Es ist besser zu rauchen, glaub' mir, als mit den Bildern der Leichenhaufen nackter Muselm\u00e4nner herumzulaufen, die man uns ab dem Alter von vier Jahren in den Sch\u00e4del geh\u00e4mmert hat. Wozu soll das gut sein? Macht mich das zu einem tiefsinnigen, besseren Menschen? Nein! Damit wird mir nur Stacheldraht in den Kopf getrieben, der mich daran hindert, normal zu leben. Doch weshalb sollte ich normal leben? Ich bin eine Elende, die Tochter einer Elenden und wehe mir, mich von meinen Genen zu entfremden und das Leben zu genie\u00dfen, denn das Leben ist eine st\u00e4ndige Krisensituation, und mal ist es Hitler und mal ist es Achmadinijad und mal ist es Achaschwerosch , alle sind Feinde und man muss auf der Hut sein&#8230; Welch ein Gl\u00fcck, dass es die iranische Bedrohung gibt, so gibt es wenigstens etwas, wof\u00fcr es sich lohnt, w\u00e4hlen zu gehen und etwas, das uns als Juden vereint \u2013 die verbesserte j\u00fcdische L\u00f6sung.&quot;<\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\">\nMit den Planungen zu Yad Vashem wurde im Jahre 1942 begonnen, als die Schoah noch tobte, so enth\u00fcllt Tom Segev in seinem Buch &quot;Die siebte Million&quot;. Die politische F\u00fchrung erkannte, dass die Erinnerung angesichts des furchtbaren Zerst\u00f6rungsaktes, der dem j\u00fcdischen Volk angetan worden war, zu einem verbindenden Schmelztiegel werden k\u00f6nnte. Man \u00fcberh\u00e4ufte die jungen Leute mit Schoah, und sie f\u00fchlten sich wie Ged\u00e4chtniskerzen, bis sie sich in den 80-er Jahren erhoben und baten, man m\u00f6ge sie befreien von dem, was wie ein Erinnerungskult wirkte (wie in dem Film &quot;Jiskor \u2013 Sklaven der Erinnerung&quot; von Eyal Sivan und in der Produktion &quot;Arbeit macht frei&quot; des Akko Theater Zentrums). Sie brachten vor, dass sie durch die obsessive Einsch\u00e4rfung der Schoah zu Menschenhassern w\u00fcrden, besonders Fremden gegen\u00fcber, und zu erbarmungslos gegen\u00fcber jedem, der sie bedrohte. Inklusive einer Andeutung oder expliziten \u00c4u\u00dferung des Begriffs &quot;Judonazis&quot;. Das Tel Aviv-D\u00fcsseldorfer &quot;Post-Trauma&quot; erkennt, dass es vor der Erinnerung kein Entkommen gibt und beschlie\u00dft, aus lauter Verzweiflung durchzudrehen oder sich zu betrinken oder alles \u00fcber den Haufen zu werfen.<\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\">\nIn k\u00fcnstlerischer (und auch schriftstellerischer) Hinsicht ist die Veranstaltung in ihrem Niveau nicht einheitlich, die B\u00fchne bleibt zuweilen zu leer f\u00fcr das Auge und es w\u00e4re gut gewesen, wenn man sich mit weniger St\u00fccken und mehr Liedern begn\u00fcgt h\u00e4tte. Zuweilen ist es erm\u00fcdend. Doch das Habima Theaters wagt hier einen k\u00fchnen Schritt. Die dritte Generation beider V\u00f6lker nach der Schoah ist auf der Suche nach irgendeinem Wunder, mit dessen Hilfe es m\u00f6glich wird, sich zu erinnern, aber auch zu vergessen. Sie f\u00fcrchtet sich zuzugeben, dass sie \u2013 wenn sie sich nicht erinnert \u2013 vergessen k\u00f6nnte. Und sie wei\u00df, dass nicht sie es ist, die ihre Erinnerung diktiert, sondern die offiziellen, herrschenden Instanzen.<\/div>\n<div style=\"direction: ltr; text-align: left;\">Die Veranstaltung &quot;Posttrauma&quot; endet mit einem schauderhaften Gruppengesang im Stil der &quot;K\u00f6nigin der Badewanne&quot; von Hanoch Levin (der meiner Meinung nach \u00fcberfl\u00fcssig ist, da es ihm an ausreichendem Esprit fehlt). Vor dem Hintergrund einer Sirene bitten die S\u00e4nger: &quot;M\u00f6ge das Volk Israel seine S\u00f6hne und T\u00f6chter vergessen, die auf der Stra\u00dfe, von einem Balkon, in der Badewanne oder in irgendeiner Schlacht gefallen sind&quot;, und die Liste setzt sich in \u00fcberraschender Weise fort bis hin zum &quot;M\u00f6ge es die Schabatzeitung vergessen und das Angenehme, das er mir auf dem R\u00fccken bereitete&quot; und mehr. Was bedeutet, dass wichtig hier nicht das ist, was man vergessen will, sondern es vielmehr um die flehende Bitte geht, die Erinnerung zu verd\u00fcnnen mit all dem, was in ihr existiert. Sehr menschlich einerseits, aber das Gef\u00fchl der Abscheu gegen die B\u00fcrde der Erinnerung, das hier und da aus den Texten herausklingt, l\u00e4sst eine gewisse Furcht aufkommen. Wird, wenn alle direkten Zeugen der Schoah von der Welt gegangen sein werden, eine Art korrigierenden Vergessens einsetzen? Wohin wird die Auflehnung gegen die \u00fcbersch\u00fcssige kollektive Erinnerung f\u00fchren? Und wer wird die Zauberformel finden: sich befreien und zugleich weitergeben?<\/div>\n<p style=\"direction: ltr; text-align: left;\">Aus dem Hebr\u00e4ischen von Yakhin HaEvri<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Israeli bumst eine Deutsche von hinten im Namen des j\u00fcdischen Volks. Treblinka und Sobibor verwandeln sich in ein Musical. 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